ErzählZeit - ein Projekt zur kulturellen Bildung und Sprachförderung

ErzählZeit Frankfurt ist ein künstlerisches Sprachförderprogramm für die Grundschule und Vorschule unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Kristin Wardetzki (Hochschule der Künste Berlin). Es basiert auf der Idee des Berliner Projektes ErzählZeit, das aus dem Pilotprojekt Sprachlos? unter der Leitung von Sabine Kolbe und Prof. Dr. Kristin Wardetzki hervorgegangen ist. 

Grundlage ist das Märchen in der poetischen Originalfassung und der künstlerische Vortrag der ErzählerInnen. Jede Woche kommt ein/e ErzählerIn  für eine Schulstunde in die Klasse und trägt Märchen vor, die zusammen mit den Kindern besprochen und in der nächsten Woche nacherzählt werden. Ziel ist es, die Sprechfähigkeit und die Sprach- und Erzählkompetenz von Kindern zu verbessern. 

Die herausragenden Ergebnisse der Berliner „ErzählZeit“ für die sprachliche Entwicklung von Kindern sind durch eine Evaluation des Projekts von Florian Straus und Renate Höfer vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung (München) wissenschaftlich untersucht worden: „Erzählen fördert nicht nur die Fantasie und die Fähigkeit zuhören zu können, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit und das Erleben von Selbstwirksamkeit. Es stärkt das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit.“*
Das Erzählen von Märchen in der Grundschule hat gezeigt, dass Kinder dadurch einen leichten Zugang zur deutschen Sprache finden und gleichzeitig selbst zum Erzählen geführt werden. Neben der poetischen Sprache lernen die Kinder auch die Struktur des Märchens kennen, das den Kindern Hoffnung auf Lösung von Konflikten und einen guten Ausgang der Geschichte geben.

Für das Frankfurter Projekt haben Sabine Kolbe und Marietta Rohrer-Ipekkaya (vom Pilotprojekt „Sprachlos?“ und „ErzählZeit“) 12 SchauspielerInnen und TheaterpädagogInnen zu ErzählerInnen weitergebildet. Unterschiedliche Märchenformen (Zaubermärchen, Kettenmärchen, Schöpfungsmärchen, Erklärungsmärchen etc.) und verschiedene Erzählformen wurden methodisch studiert und direkt erprobt. Ein Repertoire an Märchen aus aller Welt, auf das alle ErzählerInnen Zugriff haben wird kontinuierlich weiterentwickelt.

In Frankfurt wird dieses Projekt von „Kunst für Kinder! e.V.“ in Kooperation mit der „Freies Theaterhaus gGmbH“ durchgeführt.

Gefördert wird das Projekt vom Bildungsdezernat und vom Kulturdezernat der Stadt Frankfurt am Main, sowie von der Peter-Fuld-Stiftung, der Freyberg-Stiftung und Clemens Busch.

*ErzählZeit. Dokumentation 2008–2011. Berlin 2012. Herausgeber: Erzählkunst e.V. S. 36ff

Märchen in der Schule

In einer Eierschale brauen Läuschen und Flöhchen ihr Bier, ein Mädchen wird im eisigen Winter in den Wald geschickt, um Erdbeeren zu suchen, Zauberbohnen ebnen den Weg in den Himmel und ein Töpfchen kocht so viel Brei, dass sich endlich alle satt essen können… Es passiert viel Zauberhaftes und Wunderliches im Märchen, Gefahren müssen überwunden, Aufgaben bestanden werden und am Ende siegt das Gute.

Ein ganzes Schuljahr besuchen die ErzählerInnen einmal wöchentlich ihre Klassen und erzählen dort ein Märchen, jedes Mal ein anderes, nach allen Regeln der Kunst. Und die Kinder hören zu. Das machen sie mit viel Freude und sehr aufmerksam, denn am Anfang der nächsten Stunde darf ein Kind oder mehrere Kinder das Märchen der vergangenen Stunde nacherzählen. So kommen die Kinder vom Zuhören ins Erzählen. Auch Kinder, die im Schulalltag wenig oder nicht sprechen wiederholen dann oft wortgetreu das Märchen nach dem Vorbild der ErzählerIn oder ahmen die Gesten nach und finden so allmählich zur Sprache. Erzählen, Zuhören und gemeinsames Erleben innerhalb der Klasse rücken für eine schöne Stunde in den Mittelpunkt des Schulalltags.

ErzählZeit Frankfurt wird in den Partnerschulen ab der Vorklasse bis einschließlich vierte Klasse angeboten.

 DANIEL MAIER
 Schauspieler, Erzähler